
Die Brüder Hirsch
Im Jahre 1991 erhält der junge Max aus Amerika eine Einladung nach Weinheim, der Heimatstadt seiner Vorfahren. Eigentlich will er nur die Aufzeichnungen seines Urgroßvaters Max Hirsch übergeben. Doch schon bei seinen ersten Schritten durch die Straßen spürt er: Hier liegt mehr verborgen.
Damit beginnt eine Reise zurück in die Zeit, als Max, Julius Hirsch und ihre Familie noch respektierte Bürger in der Gemeinschaft waren: Unternehmer von Weltrang, engagiert in Vereinen, Politik und Gesellschaft. Mit ihrer Roßlederfabrik prägten sie das wirtschaftliche Leben der Stadt – bis die Machtübernahme 1933 alles veränderte. Aus Mitbürgern wurden Ausgestoßene. Aus Teilhabe wurde Verfolgung. Und schließlich blieb nur noch der Weg ins Exil.
Das Eintauchen in die Geschichte, lässt Max Junior den Schmerz, die Angst und den Mut seiner Vorfahren nacherleben. Eine alte Zeder im Schlossgarten wird zur stummen Zeugin, während vor den Augen des Publikums das Lebenswerk der Hirschs zerbricht. Doch zugleich wächst bei Max das, was er nie gekannt hatte: ein Gefühl von Zugehörigkeit, von Heimat.

Regisseurin Janette Rosen nutzt in ihrer Inszenierung gezielt Zeitsprünge, um die Vergangenheit der Brüder Hirsch mit der Gegenwart zu verknüpfen. So wird nicht nur das historische Schicksal der Familie erlebbar, sondern auch die aktuelle Relevanz von Flucht, Verlust und Zugehörigkeit spürbar. Gleichzeitig verstärkt die Erzähltechnik das zentrale Thema des Stücks: die Suche nach Heimat und die Frage, was es bedeutet, wirklich verwurzelt zu sein. Für das Publikum wird dadurch jede Szene noch eindringlicher – Vergangenheit und Gegenwart verschmelzen, und die Geschichte der Hirschs hinterlässt einen nachhaltigen, emotionalen Eindruck.
Besonders ergreifend: Am Samstag saßen in den ausverkauften Reihen auch Nachfahren der Familie Hirsch, die extra aus den USA und Argentinien angereist waren. Für sie wurde die Vergangenheit lebendig – so lebendig, dass viele von ihnen mit Tränen in den Augen den letzten Szenen folgten. Und auch die übrigen Zuschauer spürten, dass es nicht nur die Geschichte einer Familie war, sondern ein Teil von Weinheims Geschichte – und damit auch ein Teil von uns allen.
Die Schausteller



MAX HIRSCH Boris Ben Siegel
Gründer des Mannheimer Theaters Oliv, arbeitet als freischaffender Schauspieler, Autor und Theatermacher an diversen Bühnen in Stuttgart, Mainz u. a. Städten. Er machte sich besonders mit Recherchetheater um die Brennpunkte unserer Gesellschaft einen Namen. Seit 2024 leitet er den Kulturverein „FALLADA LAND“ auf der Insel Rügen.
JULIUS HIRSCH Thomas Koob
Er besuchte in Wien die Schauspielschule. Danach ging er auf Tournee, bevor ein längeres Engagement am Volkstheater Frankfurt begann. Für acht Jahre war dann das Oststadt-Theater Mannheim sein künstlerisches Zuhause. Zur Zeit spielt er am Rhein-Neckar-Theater und ist mit einem Krimidinner deutschlandweit unterwegs.
MAX JUNIOR Nicolas Laudenklos
Er spielte während und nach seinem Schauspielstudium u. a. am Landestheater Linz und Schlosstheater Celle. Vor der Kamera sammelte er Erfahrungen in zahlreichen Kurzfilmen. Seit einem Jahr lebt er wieder in Weinheim und arbeitet unter anderem als Theater-Pädagoge und Schauspieler.



WEINHEIMER Gerd Buchleiter
Er wuchs im Weinheimer Gerberbachviertel auf. Schon früh interessierte er sich für Brauchtum (Heimat- und Kerweverein Alt-Weinheim). Beim Karnevalsverein Weinheimer Blüten spielte er lange den Vetter Philp und erzählte im Dialekt Kuriosität über Weinheim.
FLORA HIRSCH Felicitas Vajna
Sie wuchs in Weinheim auf und absolvierte ihre Schauspielausbildung in Berlin. Es folgten mehrere Festanstellungen und freie Produktionen. In den letzten Jahren arbeitete sie vor allem als Regisseurin, Theaterpädagogin sowie als Trainerin für Kommunikation, Körpersprache und Wirkung.
MARGARETE HIRSCH Simone Schaab
Sie absolvierte ein Biologiestudium und machte Karriere in der Pharmaindustrie. In ihrer Praxis für Coaching und psychologische Beratung begleitet sie heute Menschen in Führungs- und Unternehmerrollen. Ihre Leidenschaft für Schauspiel und gesellschaftlich relevante Themen entdeckte sie im politischen Kabarett.



JULIUS HIRSCH (KIND)/DESSEN ENKEL WERNER Finn Bechtold
Finn Bechtold (12) gibt mit diesem Stück sein Bühnendebüt in einer Doppelrolle. Er besucht das Privatgymnasium Weinheim und singt leidenschaftlich gern.
KONTRABASS UND GESANG Mimi Grimm
PERCUSSION Thorsten Gellings
