
Birgit Minichmayr erhält den Gertrud-Eysoldt-Ring 2025 – Ran Chai Bar-zvi gewinnt den Kurt-Hübner-Regiepreis
Bensheim ehrt herausragende Theaterkunst im Parktheater
Bensheim, 26. Oktober 2025 – Große Bühne für große Kunst: Schauspielerin Birgit Minichmayr wurde am Samstagabend im Bensheimer Parktheater mit dem renommierten Gertrud-Eysoldt-Ring ausgezeichnet. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis, einer der bedeutendsten Theaterpreise im deutschsprachigen Raum, wird seit 1986 von der Stadt Bensheim und der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste verliehen.
Ebenfalls geehrt wurde der junge Regisseur und Bühnenbildner Ran Chai Bar-zvi, der für seine außergewöhnliche Inszenierung von „Blutbuch“ am Staatstheater Hannover den Kurt-Hübner-Regiepreis erhielt.

Birgit Minichmayr begeistert Jury mit Auftritt am Burgtheater Wien
Die Jury – bestehend aus Karin Henkel, André Jung und Jossi Wieler (Vorsitz) – würdigte Minichmayrs beeindruckende Leistung in Thomas Bernhards „Heldenplatz“, inszeniert von Frank Castorf am Burgtheater Wien.
In ihrer emotionalen Dankesrede stellte Birgit Minichmayr die Frage, „was Theater wirklich kann und ob es die Welt da draußen positiv beeinflusst“. Mit diesen Worten traf sie den Nerv eines Abends, der die gesellschaftliche Relevanz des Theaters in den Mittelpunkt rückte.
Bettina Hering, Intendantin und langjährige Wegbegleiterin Minichmayrs, hielt die Laudatio und hob die künstlerische Leidenschaft und Wahrhaftigkeit der Preisträgerin hervor.
Ran Chai Bar-zvi: Ein Regietalent mit Haltung
Der Kurt-Hübner-Regiepreis, dotiert mit 5.000 Euro, ging an Ran Chai Bar-zvi für seine Inszenierung von „Blutbuch“ nach dem Roman von Kim de l’Horizon am Staatstheater Hannover.
Bar-zvi zeigte sich tief bewegt und betonte, dass er mit seiner Arbeit Brücken schlagen wolle: „Dieser Preis gehört mir nicht allein.“ Seine emotionale Dankesrede verdeutlichte sein Verständnis von Theater als Ort der Verbindung und des Dialogs.
Die Laudatio hielt Almut Wagner, stellvertretende Intendantin und Chefdramaturgin des Residenztheaters München, die das Werk Bar-zvis als „intensiv, mutig und poetisch“ beschrieb.
Bürgermeisterin Christine Klein: „Theater ist ein Ort der Menschlichkeit“
In ihrer von großem Applaus begleiteten Ansprache betonte Bensheims Bürgermeisterin Christine Klein die Bedeutung von Kunst und Kultur:
„Theater ist kein Rückzugsort, sondern ein Ort der Erkenntnis – ein Raum, in dem sich Gesellschaft und Menschlichkeit spiegeln.“
Klein hob hervor, dass mit Birgit Minichmayr und Ran Chai Bar-zvi zwei Künstlerpersönlichkeiten geehrt wurden, „die Brücken schlagen – zwischen Text und Gegenwart, zwischen Kulturen, Sprachen und Menschen“.
Bensheim wolle ein Ort bleiben, „an dem Kultur nicht nur geduldet, sondern aktiv gestaltet wird“, so die Bürgermeisterin weiter.
Ein Abend der Kultur – getragen von Musik, Emotion und Leidenschaft
Durch den Abend führte Jo Schück, Moderator des ZDF-Kulturmagazins aspekte und ehemaliger Schüler des Alten Kurfürstlichen Gymnasiums in Bensheim. Für den musikalischen Rahmen sorgte der US-amerikanische Musiker, Schauspieler und Regisseur Daniel Kahn, der den Festakt mit einer multilingualen Performance bereicherte.
Akademie-Präsident Prof. Hans-Jürgen Drescher eröffnete die Preisverleihung mit den Worten: „Theater macht aus Katastrophen Kunst – es zeigt, dass alles auch anders sein kann.“
Auch die hessische Staatsministerin Diana Stolz unterstrich die Bedeutung kultureller Einrichtungen: „Kultur beginnt vor Ort. Theater gibt uns die Möglichkeit, die Welt neu zu sehen.“
Hintergrund: Der Gertrud-Eysoldt-Ring und der Kurt-Hübner-Regiepreis
Der Gertrud-Eysoldt-Ring geht auf ein Vermächtnis des Theaterkritikers Wilhelm Ringelband zurück, der in Bensheim lebte und 1981 die „Johanna-, Friedrich Wilhelm- und Will-Ringelband-Stiftung“ ins Leben rief.
Der Preis erinnert an Gertrud Eysoldt, eine Pionierin des modernen deutschen Theaters und enge Weggefährtin von Max Reinhardt.
Zu den bisherigen Preisträgerinnen und Preisträgern zählen große Namen wie Klaus Maria Brandauer, Nina Hoss, Ulrich Mühe, Sandra Hüller und Charly Hübner.
Der Kurt-Hübner-Regiepreis, benannt nach dem legendären Theatermacher Kurt Hübner, wird seit 1991 verliehen und gilt als einer der wichtigsten Nachwuchspreise für Theaterregie im deutschsprachigen Raum.
Fazit: Bensheim als kulturelles Zentrum mit Strahlkraft
Mit der Verleihung des Gertrud-Eysoldt-Rings 2025 und des Kurt-Hübner-Regiepreises bestätigte Bensheim erneut seinen Stellenwert als kulturelles Zentrum Hessens.
Die feierliche Preisverleihung im Parktheater zeigte eindrucksvoll, wie Theater, Kunst und Kultur Menschen verbinden – über Sprachen, Grenzen und Generationen hinweg.
